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# Russlands hybrider Krieg beginnt nicht immer mit einer Bombe

Russlands hybrider Krieg beginnt nicht immer mit einer Bombe

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Russland sei eingekreist, die NATO habe den Krieg provoziert, niemand werde je wirklich die Wahrheit erfahren, die Ukraine und Russland seien gleichermaßen verantwortlich, und jede Maßnahme gegen Einflussnahme lasse sich als „Russophobie“ anprangern.

Von Paul-Michel Manandise · 2. September 2026 · CEAS Editorial Cell

Aus dem Französischen übersetzt. Ursprünglich veröffentlicht bei CEAS: https://www.ceas.info/publication/guerre-hybride-russe-france-reseaux-influence-subversion

Krieg beginnt nicht immer mit Bomben

# Zentrale Befunde

RUSSLANDS HYBRIDER KRIEG BEGINNT NICHT IMMER MIT EINER BOMBE.

Manchmal beginnt er in einem Konferenzsaal, einem Kulturverein, einem „Russischen Haus“, einer Schule, einer Organisation von „Landsleuten“, einer mit Moskau verbundenen religiösen Einrichtung, einem Medium, einem Kreis der „französisch-russischen Freundschaft“ oder bei einer Veranstaltung, die völlig harmlos wirkt. Genau so funktioniert eine wirksame Einflussstrategie: Sie tritt zunächst in ziviler, kultureller, pädagogischer oder zivilgesellschaftlicher Gestalt auf. Der Kreml versteht es, Kultur, Geschichte, Religion, Diasporas, Medien und bestimmte Vereinsnetzwerke als Instrumente der Präsenz, der Legitimierung und des Einflusses zu nutzen.

Dieser Veröffentlichung füge ich ein Dokument bei (auf der Originalseite abrufbar), das fast 300 Orte und Strukturen in Frankreich mit ihren Adressen, Telefonnummern und verschiedenen verfügbaren Informationen erfasst: Häuser der russischen „Kultur“, Schulen, Vereine, Kreise der französisch-russischen „Freundschaft“, Gemeinschafts-, religiöse oder kulturelle Strukturen. Diese Liste bedeutet selbstverständlich nicht, dass jede dieser Strukturen eine nachrichtendienstliche Tarnung ist oder an illegalen Aktivitäten beteiligt ist. Sie ist als Kartierung von Ökosystemen zu verstehen, die zu prüfen sind, wobei völlig legitime Aktivitäten sorgfältig von Strukturen zu unterscheiden sind, die tatsächlich mit Stellen des russischen Staates verbunden, von ihnen finanziert, gelenkt oder instrumentalisiert werden.

Denn manche dieser Umfelder können zu Multiplikatoren von Propaganda, Desinformation und ideologischer Subversion werden, zu Echokammern, in denen dieselben Narrative zirkulieren, bis sie den Anschein einer spontanen Meinung erlangen. Russland sei eingekreist, die NATO habe den Krieg provoziert, niemand kenne wirklich die Wahrheit, die Ukraine und Russland seien gleichermaßen verantwortlich, Sanktionen seien nichts als „Russophobie“, und jeder Versuch, Einflussnahme abzuwehren, sei ein Angriff auf die russische Kultur. So funktioniert eine Einflussoperation: Sie will Sie nicht unbedingt zu einem Anhänger Moskaus machen. Manchmal genügt es, Sie skeptisch, verwirrt, müde, passiv oder unfähig zu machen, klar zwischen Angreifer und Angegriffenem zu unterscheiden.

Russlands hybrider Krieg funktioniert als vollständiges Ökosystem: Propaganda, Desinformation, politische Einflussnahme, Geschichtsmanipulation, Cyberoperationen, Sabotage, Einschüchterung, Anwerbung von Mittelsleuten, Informationsbeschaffung, wirtschaftlicher Druck, soziale Netzwerke, Vereinsstrukturen und ideologische Subversion können sich gegenseitig verstärken. Seine Wirksamkeit beruht gerade auf unserer Neigung, jedes dieser Elemente einzeln zu betrachten, obwohl sie als verschiedene Bestandteile ein und derselben Architektur analysiert werden müssen.

Deshalb darf die Abwehr von Einflussnahme nicht allein den spezialisierten Diensten vorbehalten bleiben. Jeder Bürger kann auf seiner Ebene zur Resilienz seines Landes beitragen, muss dies aber legal und klug tun: Informationen prüfen, bevor er sie teilt, manipulative Narrative erkennen, öffentlich zugängliche Fakten dokumentieren, wirklich verdächtiges Verhalten den zuständigen Behörden melden, Journalisten und Forscher unterstützen, die zu ausländischer Einmischung arbeiten, und sich weigern, selbst zur Echokammer der Propaganda zu werden.

Es geht nicht darum, Menschen einzuschüchtern, Vereine zu belästigen, Personen zu verfolgen oder selbst Überwachungsoperationen durchzuführen. Das wäre gefährlich, kontraproduktiv und mitunter illegal. Öffentlich beobachten, analysieren, dokumentieren, öffentlich Fragen stellen und überprüfbare Fakten den Behörden melden: ja. Sich an die Stelle der Nachrichtendienste setzen oder Bürger zu Selbstjustizlern machen: nein. Eine Demokratie verteidigt sich gerade dadurch, dass sie rigoroser bleibt als diejenigen, die sie destabilisieren wollen.

Denn es gilt, eine grundlegende Wirklichkeit zu begreifen: Sie mögen das Gefühl haben, Frankreich befinde sich nicht im Krieg mit Russland. Sie mögen diese Konfrontation für fern halten, auf die Ukraine beschränkt oder Regierungen und Militärs vorbehalten. Doch der russische Staat führt seit Jahren gegen die europäischen Gesellschaften Operationen der Einflussnahme, der Desinformation, des Cyberangriffs, der Einmischung und der Destabilisierung. Sich nicht im hybriden Krieg zu sehen, heißt nicht, dass der Gegner Sie als neutral betrachtet.

Ins Visier genommen werden letztlich nicht nur eine Regierung oder ein Militärbündnis. Es geht um das kollektive Vertrauen, den nationalen Zusammenhalt, die Fähigkeit, Wahres von Falschem zu unterscheiden, die Institutionen, die demokratischen Werte, die Geschichte, die Sprache, die Kultur und die Gedankenfreiheit. Eine autoritäre Macht muss nicht jedes Gebiet physisch erobern, um einen strategischen Sieg zu erringen: Manchmal genügt es, eine Gesellschaft davon zu überzeugen, dass sie es nicht mehr verdient, verteidigt zu werden, dass ihre Institutionen allesamt korrupt sind, dass es keine Wahrheit mehr gibt und dass jeder Widerstand zwecklos ist.

Deshalb ist die beste Antwort kollektive Resilienz. Fragen stellen. Finanzierungen prüfen. Institutionelle Verbindungen untersuchen. Leitungspersonen und Mittelsleute identifizieren. Partnerschaften analysieren. Verstehen, welche Narrative verbreitet werden. Verbindungen zu offiziellen russischen Stellen kartieren. Öffentlich dokumentieren, was sich dokumentieren lässt. Den zuständigen Diensten übermitteln, was Ermittlungen erfordert. Und vor allem nie zulassen, dass Desinformation unsere eigene Wut in Verhaltensweisen verwandelt, die letztlich der gegnerischen Propaganda dienen würden.

Es geht nicht darum, die russische Kultur zu bekämpfen. Es geht darum zu verhindern, dass der russische Staat Kultur zu einem Einflussinstrument macht. Es geht nicht darum, den orthodoxen Glauben zu bekämpfen. Es geht darum zu verhindern, dass der Kreml Religion zu einem geopolitischen Hebel macht. Es geht nicht darum, eine ganze Bevölkerung zu verdächtigen. Es geht darum, die Strukturen zu kartieren, zu dokumentieren, zu verstehen und ihnen entgegenzuwirken, die tatsächlich den Interessen einer feindlichen Macht dienen.

Ein hybrider Krieg wird nicht allein von Soldaten, Polizisten oder Nachrichtendiensten gewonnen.

Er wird gewonnen, wenn der Staat, die Streitkräfte, die Dienste, die Zivilgesellschaft, die Forscher, die Journalisten und die Bürger verstehen, dass sie denselben Informations- und Demokratieraum verteidigen.

Staat, Armee und Volk – gemeinsam gegen Einmischung, Manipulation und Subversion.

CEAS — Den unsichtbaren Krieg sichtbar machen.

#CEAS

# Grenzen & Unsicherheiten

Das größte analytische Risiko ist die Gleichsetzung kultureller Nähe zu Russland mit der Beteiligung an einem staatlichen russischen Einflussapparat. Es ist unbedingt zu unterscheiden zwischen wirklich unabhängigen Vereinen, gewöhnlichen religiösen oder kulturellen Aktivitäten und Organisationen, die direkt oder indirekt mit dem russischen Staatsapparat verbunden sind.

Eine Adresse, eine Telefonnummer, eine Kulturveranstaltung, der Gebrauch der russischen Sprache oder die Zugehörigkeit zur Orthodoxie sind keine ausreichenden Indikatoren für feindselige Aktivitäten.

Die Aufnahme einer Organisation in das Korpus der fast 300 Orte erlaubt es daher ohne weitere Anhaltspunkte nicht, sie als Propagandamultiplikator, Einflussorganisation, nachrichtendienstliche Tarnung oder verdeckte Struktur einzustufen.

Manche institutionellen Beziehungen können sich zudem rasch ändern: Wechsel der Leitung, der Finanzierung oder der Partner, Schließung einer Struktur, Adressänderung oder Bruch mit einer russischen Organisation.

Schließlich bleibt die Messung der tatsächlichen Wirkung einer Informationsoperation schwierig. VIGINUM selbst betont, dass die Sichtbarkeit eines Narrativs nicht automatisch Aufschluss über seinen tatsächlichen Einfluss auf Meinungen gibt.

# Methodische Anmerkung

Diese Veröffentlichung beruht auf einem OSINT- / NARINT- / Netzwerkanalyse-Ansatz, der öffentliche Daten, institutionelle Informationen, Kartierung von Entitäten und Dokumentation von Narrativen verbindet.

Jede Struktur sollte idealerweise anhand mehrerer unabhängiger Ebenen bewertet werden: Rechtsform; Standort; Leitungspersonen; wirtschaftlich Berechtigte, soweit zugänglich; Finanzierung; Partner; Anbindung an russische Stellen; Verbindungen zu Rossotrudnitschestwo oder anderen russischen öffentlichen Stellen; diplomatische Beziehungen; digitale Präsenz; wiederkehrende Redner; Veranstaltungen; Veröffentlichungen; weitergegebene Narrative; persönliche Verbindungen; historische Entwicklung der Struktur.

Die analytische Einordnung muss anschließend abgestuft erfolgen: Struktur identifiziert → Verbindung dokumentiert → potenzieller Multiplikator → etablierter Multiplikator → dokumentierte Koordination → zugeschriebene feindselige Aktivität, ohne Zwischenstufen künstlich zu überspringen.

Ziel des Korpus ist daher nicht, eine Kollektivschuld festzustellen, sondern eine verstreute Menge von Strukturen in einen analysierbaren Beziehungsgraphen zu verwandeln, der es ermöglicht, nach Konzentrationen, gemeinsamen Mittelsleuten und Einflussarchitekturen zu suchen.

# Quellen & Referenzen

  1. EEAS — 4th Report on FIMI Threats, 03.2026: https://www.eeas.europa.eu/sites/default/files/2026/documents/EEAS 4th Threat Report_web version_1.pdf
  2. VIGINUM — Storm-1516, 06.05.2025: http://www.sgdsn.gouv.fr/publications/analyse-du-mode-operatoire-informationnel-russe-storm-1516
  3. VIGINUM — Guerre en Ukraine : trois années d’opérations informationnelles russes, 24.02.2025: http://www.sgdsn.gouv.fr/viginum/publications/guerre-en-ukraine-trois-annees-doperations-informationnelles-russes
  4. VIGINUM — Matriochka, 06.2024: http://www.sgdsn.gouv.fr/publications/matriochka-une-campagne-prorusse-ciblant-les-medias-et-la-communaute-des-fact-checkers
  5. Council of the EU / EUR-Lex — Rossotrudnichestvo: https://data.consilium.europa.eu/doc/document/ST-6808-2023-INIT/en/pdf — https://eur-lex.europa.eu/eli/reg_impl/2023/571/oj/eng
  6. European Parliament (EPRS) — Russia’s war on Ukraine: The Kremlin’s use of religion as a foreign policy instrument: https://www.europarl.europa.eu/thinktank/en/document/EPRS_ATA(2022)729430
  7. European Parliament — resolution on Russian disinformation and historical falsification: https://www.europarl.europa.eu/doceo/document/RC-10-2025-0074_EN.html
  8. EU — sanctions regime against Russian destabilising activities, 2026: https://eur-lex.europa.eu/eli/dec/2024/2643/2026-06-15/eng
  9. CEAS France corpus — ~300 places and structures (original page).

Paul-Michel Manandise – CEAS, Centre Européen d’Analyse Stratégique – ceas.info

Originalartikel: https://www.ceas.info/publication/guerre-hybride-russe-france-reseaux-influence-subversion

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